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![]() Das Hannoveraner Rathaus von 1913, Foto: Susanne Coburger-Schlu, 2012 Hannover war für mich den größten Teil meines Lebens nur eine Station auf dem Weg zwischen Bonn und dem Norden und ich war geplant erst dort, als Hannover im Jahr 2000 Ort der Expo war, jener Weltausstellung, die alle ein bis drei Jahre stattfindet und der die Pariser ihren Eiffelturm verdanken. Weil wir damals mit dem Zug hin- und zurück gefahren sind, haben wir außer dem Expo-Gelände nicht viel gesehen und solange ich arbeiten mußte, war es nicht möglich, mal eben für ein paar Tage irgendwohin zu fahren. Hannover stand einfach nicht ganz oben auf der Reiseliste. Jetzt ist es aber anders und da in Hannover bestimmt kein Karneval stattfindet, sind meine Frau und ich schon an Weibermittwoch losgefahren. Sie hat ein Hotel am Rathaus fußläufig zur Innenstadt aufgetrieben, zwei große Museen sind nur wenige Gehminuten entfernt und einen Parkplatz für das Auto haben wir auch. Nur das Wetter ist Scheiße - Regen und Nebel und Wind. Zuhause würde man sagen „Dä Räj'n ess arschkalt, et ess usselich!“ Aber meckern hilft ja nicht und ab dem Mittag hört der Regen auch auf und es wird Zeit, trocken in die Innenstadt zu gehen. nach oben Innenstadt Vom Hotel (gegenüber dem Rathaus) kommt man recht einfach in die Innenstadt: Man läßt den Haupteingang des Rathauses rechts liegen, geht den Friedrichswall bis zur Ampel und läuft die Osterstraße entlang. Dann kommt man an die Karmarschstraße, die ab dem „Platz der Weltausstellung“ wiederum auf den Hauptbahnhof führt. Auf den letzten Metern passiert man die Kultmarken, die in jeder besseren Innenstadt zu finden sind - einen Apple-Store gibt es auch. Nur bei dem Wort „Kröpcke“ mußte ich nachgucken, bis ich heraushatte, daß dies die Bezeichnung für den zentralen Platz der Innenstadt ist. Die gleichnamige Uhr, deren Original seit 1885 dort stand, ist natürlich ein idealer Treffpunkt, um danach ins Cafe Kröpcke zu gehen. Wenn man sich also am Kröpcke trifft, kann das die Uhr, der Platz oder gleich das Café sein. ![]() Am Platz der Weltausstellung ist man bereits in der Innenstadt nach oben Einige Läden haben scheinbar die Zeit überdauert, wie das Mäntelhaus Kaiser an der Karmaschstraße. Seit Jahrzehnten habe ich kein Mantelgeschäft mehr gesehen und ich glaubte schon, es würden keine Mäntel mehr hergestellt, weil es nur noch Outdoor-Jacken zu kaufen gab. Hier werden aber wirklich Mäntel verkauft und es war sogar Kundschaft im Laden. ![]() Das Mäntelhaus Kaiser hat den Charme der 1960er Jahre erhalten. nach oben Hinter dem Kröpcke sieht man schon den Bahnhof und ein größerer Teil des Vorplatzes ist eine unterirdische Fußgängerzone - nicht so groß wie beim Münchner Stachus, aber schon so, daß sich ein Besuch lohnt. Steht man oben und schaut auf den Bahnhofsvorplatz, fallen Figuren und Silhouetten von Niki de Saint-Phalle auf. Diese Künstlerin hat der Stadt Hunderte Kunstwerke überlassen und die finden sich im Sprengel-Museum, an vielen Stellen der Stadt und natürlich an der Niki-de-Saint-Phalle-Promenade, wie die unterirdische Fußgängerzone genannt wurde. Einige Kunstwerke stehen auch am Leine-Ufer, wo man - alter Witz - seine/n Liebsten/n ja an der Leine spazieren führen kann. Dabei ist die Leine eher ein kleines Bächlein, über das man mit Anlauf drüberspringen könnte. ![]() Die Niki-de-Saint-Phalle-Promenade vor dem Hannoveraner Bahnhof. Auf der Fahne ist eine berühmte „Nana“ abgebildet. Der Bahnhof selber ist fast so schön wie der Kölner HBF - wenn man nicht Zug fahren will, muß man da nicht hin. Die Innenstadt ist schöner - wie in Köln oder Bonn. nach oben Aegidienkirche Das Hotel liegt schräg gegenüber zum Rathaus und dahinter liegt die Aegidienkirche, eine gotische Hallenkirche, die sechshundert Jahre lang das Hannoveraner Zentrum bestimmte, bis sie bei einem Volltreffer der knapp 90 Angriffe auf die Stadt so zerstört wurde, daß nur noch die Grundmauern stehenblieben. Sie wurde nach 1945 nicht mehr aufgebaut und blieb - ähnlich wie Kirchen in Köln und Hamburg - ein Mahnmal gegen den Krieg. Im Turm hängt eine von Hannovers Partnerstadt Hiroshima gestiftete Friedensglocke, die immer bei den Gedenkfeierlichkeiten am 6. Mai geläutet wird. Das Glockenspiel erklingt mehrere Male am Tag - übrigens auch, während ich diese Zeilen schreibe - und eine Kunstinstallation von Dorothee von Windheim zeigt seit 1993 die Schattenlinie, die das Dach dieser Kirche auf den Boden warf. Insgesamt ist die Kirche sehr eindrucksvoll - vor allem, wenn man im Rathaus die Modelle der Stadt gesehen hat, wo die Ruine dieser Kirche zum Orienterungspunkt wurde, weil alles in der Innenstadt so zerstört war. ![]() Die Überreste der Aegidienkirche sind heute eine Gedenkstätte. nach oben Rathaus Das Rathaus ist eine Besonderheit in Deutschland, denn es ähnelt mehr einem Palast als einem Verwaltungszweckbau. Bereits 1863 war ein Umzug aus dem Rathaus in das so genannte „Wangenheimpalais“ nötig geworden und Hannover hatte 1871 durch den Anschluß an Preußen seine Industrie ausbauen können, damit ordentlich Geld verdient und die Stadt wuchs immer mehr. Vom Anschluß Preußens 1871 an stieg die Bevölkerung innerhalb zweier Jahre dramatisch von 87.600 auf 100.000 Einwohner und Hannover war Großstadt geworden. Etwa ab 1880 war die Stadtverwaltung größer geworden, als es bislang vorstellbar gewesen war, und auch nach dem Umzug der Stadtverwaltung in das „Wangenheimpalais“ wurde nach kurzer Zeit selbst dieses Gebäude zu klein. Der seit 1891 amtierende Stadtdirektor Tramm dachte in größeren Maßstäben und überzeugte das Stadtparlament zu einem größeren Neubau, der 1901 begonnen wurde. Nach zwölf Jahren Bauzeit wurde das damals größte Rathaus Deutschlands am 20. Juni 1913 in Anwesenheit des Kaisers feierlich eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Größe Hannovers innerhalb von nicht mal vierzig Jahren mit 313.400 Einwohnern mehr als verdreifacht. Stadtdirektor Tramm konnte Kaiser Wilhelm II. stolz melden: „Zehn Millionen Mark, Majestät – und alles bar bezahlt.“
Wenn man die Reichsmark von 1913 mit ca. € 20,00 ansetzt, sind 200 Millionen Baukosten für diesen Summe gar nicht mal so viel - angesichts der heutigen Preise z.B. für die Elbphilharmonie, den Berliner Flughafen oder die Kölner Oper, die alle ein Mehrfaches und Vielfaches gekostet haben oder noch kosten. ![]() Das Rathaus ist das einzige in Deutschland, das auch eine Kuppel hat Die Größe des Rathauses erschließt sich im Innenraum. Von der Eingangshalle aus gehen große Freitreppen über drei Etagen. Die Flure sind ausreichend groß für Sitzbänke und die Innenhöhe der Kuppel beträgt über dreißig Meter. Wer mag, kann mit einem Aufzug auf die ca. 100 Meter hohe Kuppel fahren und soll dann bis zum Harz gucken können. Ich konnte es noch nicht überprüfen. Überall sind aber Jugendstilelemente, sei es an den Wänden, den Türen oder den Fenstern. ![]() Das Innere des Rathauses - die Eingangshalle Die oben erwähnten Stadtmodelle zeigen Hannover in vier Phasen: Das älteste Modell zeigt die Stadt um 1689, eines die Stadt um 1939 vor Kriegsbeginn und eins von 1945, bei dem man sieht, daß hier nicht viel stehengeblieben ist. Das aktuelle Modell (um 2000) wurde gerade gesäubert. ![]() Das aktuelle Modell (um 2000) wird gerade gestaubsaugt. nach oben Weltenmuseum Das Weltenmuseum ist das Landesmuseum Niedersachsens, staatlich finanziert und gefördert und damit der kulturelle niedersächsiche Leuchttum. Es zeigte jetzt (Februar 2025) eine Ausstellung des nördlichen Impressionismus und hatte vor allem Bilder der Skagen-Maler. Peder Severin Krøyer und Michael Ancher sind die Hauptvertreter dieser Malweise, die durch das weiche, dänische Licht geprägt ist (blaue Stunde). ![]() Das Weltenmuseum links neben dem Rathaus beherbergt eine große Kunstsammmlung. Die Kunstsammlung des Weltenmuseums umfaßt Exponate des Mittelalters bis zur Moderne und Postmoderne. Die Mittelaltersammlung prunkt mit Altartafeln und Rentabeln aus dem norddeutschen Raum, zeigt aber auch Artefakte u.a. von Tilman Riemenschneider über Hans Holbein und Peter Paul Rubens bis zu den Großen des 20. Jahrhunderts und später (Picasso, Marc, Beckmann, Richter). Die Oberlichter geben schattenfreies Licht, so daß man die Bilder gut betrachten kann und weil die Ausstellungsräume der Malerei mit unterschiedlichen Farben gefaßt sind, werden die Augen nicht so schnell müde. Die Räume sind so groß, daß man problemlos dort Kammerkonzerte veranstalten könnte. Ein Flügel steht da ja schon. Um zu zeigen, was Pointilismus ist, können Besucher (oder Kinder?) bunte Klebepunkte auf weiße Flächen kleben und damit ein Gefühl für diese Technik bekommen (grüne Stirnwand unten). ![]() Einer der Ausstellungssäle im Weltenmuseum Das Museum ist kein Albertinum, geht aber mit seinem Bestand deutlich über das Wupertaler von der Heydt-Museum hinaus, zumal es noch Abteilungen für Ethnologie und Naurkunde hat. Es hat ja auch mehr Platz. Wir haben für zwei Etagen Kunst weit über zwei Stunden gebraucht und werden den fehlenden ersten Stock irgendwann anders machen. Als Senioren zahlten wir für die Tageskarte € 8,00 pro Person. Das Café (Schönwalds's) war in Ordnung, aber am Freitag (da ist in Hannover oft der Eintritt frei) war es so voll, daß wir dann doch wieder zu Meiers gegangen sind. Landesmuseum Hannover - Weltenmuseum, Willy-Brandt-Allee 5, 30169 Hannover, nach oben Sprengelmuseum Das Sprengel-Museum beinhaltet eine riesige Sammlung moderner Kunst - alleine 400 Objekte hat Niki de Saint-Phalle dem Museum vor ihrem Tod überlassen. Die Geschichte des Museums ist ähnlich dem Kölner Museum Ludwig - in beiden Fällen wurden die Milliarden mit Schokolade verdient - bei Peter Ludwig war es die Stollwerck-Schokolade und bei Familie Sprengel eben die Sprengel-Schokolade. Irgendwann war mehr Geld da, als man verbrauchen konnte, es wurde in moderne Kunst investiert und irgendwann hatten die privaten Häuser nicht mehr genug Wände um sie zu zeigen und man brauchte ein Museum. Ab diesem Zeitpunkt kommen Städte ins Spiel und stiften Grundstücke (Buchheim-Museum in Bernried) oder bauen gleich das ganze Museum. In Köln baute die Stadt das Museum Ludwig und in Hannover baute die Stadt das Sprengel-Museum. Da beide Familen einen Schwerpunkt auf moderne Kunst gelegt hatten, sollten auch die Museumsneubauten aktuelle Archtektur widerspiegeln. Das ist in Köln und in Hannover ausnahmslos gut gelungen.
Das Sprengel hat natürlich alles, was Rang und Namen hat. In der Halle hängen Mobiles von Alexander Calder, ein absolut realistischer Bauarbeiter aus Fiberglas von Duane Hanson oder eine (von vielen) Nana von Niki de Sant-Phalle. An Gemälden gibt es Beckmann, Dix, Ensor, Ernst, Feininger, Kandinsky, Klee, Marc, Miró, Munch, Nolde, Picasso, Rohlfs, Vasarely und viele andere. Kurt Schwitters hat hier eine eigene Dauerausstellung, denn er kommt aus Hannover, hat dort gearbeitet und gelehrt, ist hier begraben und viele Institutionen sind nach ihm benannt. Schwitters Merz-Kunst (nicht kommerziell) bekommt mit dem künftigen Bundeskanzler auf einmal eine ganz neue Bedeutung. Dazu gibt es Sonderausstellungen. Von Februar bis Juni 2025 zeigt(e) das Sprengel Grete Jürgens, eine Vertreterin der Neuen Sachlichkeit mit etwa 150 Werken (von 370 erhaltenen Stücken) - parallel zeigt/e die Kunsthalle Rostock mit Kate Diehn-Bitt das östliche Gegenstück. ![]() Die Halle ist einer der zentralen Räume des Sprengel Sprengel Museum Hannover, Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover, nach oben Schlafen und Essen Das Hotel Elaya (Friedrichswall 21, 30159 Hannover) liegt zwischen Rathaus und Aegidienkirche, so daß man die Glocken von beiden Gebäuden hört. Weil der Aufzug kaputt war, haben wir mit Frühstück unter € 100. bezahlt und das war schon sehr günstig. Wenn die Messe stattfindet, wird man das Drei- bis Vierfache rechnen müssen - aber dann macht man auch nicht Sightseeing. Zu den Museen und in die Innenstadt sind es wenige Minuten, ein gutes Restaurant ist um die Ecke, ebenso ein professioneller Fotoladen. Parken kann man um die Ecke im City-Parkhaus Osterstraße 42. Essen kann man in den Cafés der Museen und im Meiers Lebenslust, einer Kombination aus Brauerei, Restaurant und In-Kneipe. Wir haben ein paar Mal dort gegessen, es war immer gut und nicht überteuert. Abends ist es voll und laut, mittags kommt die ältere Generation (Boomer) und die macht keinen Lärm. Ein Menü mit Getränken (und dem selbstgebrauten Bier) kostete € 15,00 bis € 20,00. Für Freunde nahm ich eine Zwei-Liter-Flasche aus der Brauerei mit und bin gespannt, wann ich das Pfand von € 10,00 wieder einlösen kann. ![]() Meiers Lebenslust, Osterstraße 64, 30159 Hannover, 0511-898 2250 Drei Tage Hannover waren ein erster, kleiner Vorgeschmack. Für den nächsten Besuch steht Schloß Herrenhausen an (auch wenn es weiter weg liegt), ein Flanieren durch die dann hoffentlich wärmere Altstadt und eine Spurensuche von Kurfürst/König Georg I. und seinem Spezi Georg Friedrich Händel. Kunst gucken wir sowieso. nach oben |
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